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Die Rummelsberger
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12.07.2017

Die richtige Frage

Brüdertag zum Thema Frieden und Gerechtigkeit
Von: Dorothée Krätzer

Plädierte für Prävention und zivile Konfliktbearbeitung - Referent Pfarrer Dietrich Becker-Hinrichs von der Evangelischen Landeskirche Baden bei seinem Vortrag zum Thema Frieden und Gerechtigkeit am Brüdertag im Saal des Rummelsberger Berufsbildungswerkes Fotos: Krätzer

Zwischen zwei Konzepten wählen und keines erweist sich als wirklich hilfreich - ein Dilemma, beispielsweise bei politischen Entscheidungen. Soll man wegschauen, wenn ein Regime seine Bevölkerung tyrannisiert, oder mit Gewalt für den Schutz der Menschen, für Ruhe und Frieden sorgen? Handeln oder Nicht-Handeln - in beiden Situationen wird man schuldig, werden immer Menschen die Opfer sein. Der einzige Weg hier zu guten Entscheidungen zu kommen, sei die richtigen Fragen zu stellen. Dieser Überzeugung ist der evangelische Pfarrer Dietrich Becker-Hinrichs aus Bretten. Zum ihrem Jahrestreffen, dem Brüdertag, hatte die Rummelsberger Brüderschaft das ehemalige Mitglied der synodalen Arbeitsgruppe für den friedensethischen Konsultationsprozess (2011 bis 2013) der Evangelischen Landeskirche in Baden und Gründungsmitglied der Werkstatt für Gewaltfreie Aktion als Referent nach Rummelsberg eingeladen.

Es ist ein weltumspannendes Thema, das die Brüder in ihren verschiedenen Gremien als Jahresthema intensiv beschäftigt: Weltfrieden auf der Basis von Gerechtigkeit, oder, wie die Bibel schreibt (Jesaja 32, 17a): „Und der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein…“ Bei zurzeit etwa 266 gewaltsamen Konflikten und rund 18 Kriegen mit der höchsten Eskalationsstufe - 20 Kriege werden laut dem Heidelberger Institut für Konfliktforschung (http://hiik.de/de) als begrenzt angeführt - eine Situation, die unzählige Menschen Lebensgefahr, Not und Leid aussetzt. Was sind die Ursachen für Kriege, wie kann man sie verhindern, welche Alternativen gibt es zur gewaltsamen Lösung und wie steht die Kirche zur gewaltsamen Konfliktlösung? - um nur einige der Fragen zu diesem komplexen Thema zu nennen.

 „Kriege und Terror verbreiten Angst und Ohnmacht - weltweit und ganz nahe“, sagte Becker-Hinrichs bei seinem Vortrag am Samstagvormittag im vollbesetzten Saal des Berufsbildungswerkes Rummelsberg. Ratlosigkeit greife um sich und der Ruf nach schnellen Lösungen werde laut. Doch Kriege hätten sich noch nie als Lösung erwiesen, denke man an die interventionistische Politik des Westens im Nahen Osten. Letztendlich habe diese zum Zerfall von Staaten geführt und zum Erstarken radikaler islamistischer Bewegungen. „Der Krieg hält das Böse eben nicht in Schranken, sondern entfesselt es erst.“ Amerikanische Studien hätten zudem nachgewiesen, dass gewaltfreie Revolutionen weit erfolgreicher ihre Ziele erreichen. Fragen zu Lösungen wie: Welcher Ansatz ist nachhaltiger? Welcher kostet voraussichtlich weniger Menschenleben? Welcher bietet mehr Perspektiven für ein späteres Zusammenleben? zeigten die einzigen wirklichen Lösungsmöglichkeiten auf. Die Alternative Nichtstun oder militärisches Eingreifen führe in die Irre. Als zielführenden dritten Weg beschrieb Becker-Hinrichs anschließend Prävention und die zivile Konfliktbearbeitung. Letztere versuche durch gewaltfreien Druck Lösungen zu finden, von denen beide Seiten profitieren.

Viel Beifall erhielt er für seinen fundierten und engagierten Vortrag. Weiteres Arbeiten am Thema unter anderen Aspekten sah das Nachmittagsprogramm mit den verschiedenen Arbeitsgruppen vor.

Wie immer bildeten die Gottesdienste den Anfang und das Ende des Brüdertages: der Vorstellungsgottesdienst zur Eröffnung, an dem sich die zwölf Brüder in Ausbildung vorstellten und der Festgottesdienst am Sonntag zum Abschluss. In seinem Rahmen konnten heuer 77 Diakone brüderschaftliche Jubiläen feiern. Auch hier standen Frieden und Gerechtigkeit im Mittelpunkt der Predigt von Dr. Günter Breitenbach, Rektor der Diakone und Diakoninnen. Gerechtigkeit sei die heilsame Ordnung Gottes für alle Lebensbereiche, sagte er. Wie in einem Garten müsse der Boden für die Gerechtigkeit bereitet werden, müssten immer wieder „Dornen und Disteln“ ausgegraben werden. Es brauche Zeit, bis sie Früchte trage, bis „mein Volk in Häusern des Friedens wohnen wird, in sichern Wohnungen und in stolzer Ruhe“. Es sei gut und richtig über Frieden und Gerechtigkeit zu sprechen, sagte er und mahnte an „nicht auf die Klarheit um des lieben Friedens willen zu verzichten.“
So lange wirtschaftliche und Machtinteressen vor der Frage nach Gerechtigkeit und Frieden stehen, werden ständig neue Brennpunkte entstehen. Bleibt nur, immer wieder Unrecht und Gewalt zu thematisieren, sich zu engagieren und friedliche Lösungen zu unterstützen. Die Rummelsberger Brüder werden sich dafür weiter aktiv einsetzen.
Dorothée Krätzer