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10.10.2017

Eigener Menschenschlag

Neuer Jahrgang beginnt Ausbildung zum Diakon / zur Diakonin
Von: Dorothée Krätzer

Jannika und Jakob, beide im Grundseminar

Rummelsberg. Die ersten Wochen sind für beide Seiten spannend: für diejenigen, deren Ausbildung zum Diakon/ zur Diakonin in Rummelsberg gerade beginnt ebenso wie für die Mitglieder ihrer Gemeinschaften, die den neuen Jahrgang in ihrem Kreis willkommen heißen. Damit die ersten Schritte der „Neuen“, die vom Kennenlernen der Menschen über die Berufsfelder bis zu den Einrichtung der Rummelsberger Diakonie reichen, nicht überfordern, steht am Anfang das Einführungsseminar. In vier intensiven Wochen schnuppern die Teilnehmenden erstmals in ihren zukünftigen Beruf, erfahren Grundlegendes zum Diakon-, Diakonin-Sein und beschäftigen sich mit Glaubensinhalten. Trotz dieser Hinführung erscheinen die ersten Wochen und Begegnungen überwältigend, prasselt sehr viel auf die 14 Frauen und 14 Männer ein.

Jakob Wank (20) aus Geretsried und Jannika Appel (19) aus Wörth am Main sind zwei, die soeben das Einführungsseminar durchlaufen haben. Beide wuchsen mit der Arbeit der Evangelischen Jugend (EJ) in ihren Gemeinden auf. Jannika absolvierte zuletzt einen Bundesfreiwilligendienst als Helferin beim großen Konficamp des Reformationsjubiläums 2017 in Wittenberg und Jakob ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Jugendbüro der EJ in Wolfratshausen. Warum sie diesen Beruf gewählt haben und mehr beantworteten sie in diesem Interview.

Dorothée Krätzer: Wie kommt man dazu, Diakon / Diakonin werden zu wollen?

Jannika: Das kann ich gar nicht genau sagen, der Gedanke hat sich entwickelt. Ich wollte auf jeden Fall etwas mit Menschen machen, daher hatte ich mir schon den Studiengang soziale Arbeit rausgesucht. Obwohl er sehr vielfältig ist, hat mir dabei etwas gefehlt. Ich überlegte, womit ich die Arbeit verknüpfen könnte. In Gesprächen empfahlen mir Bekannte Rummelsberg. Ich habe mich daraufhin näher informiert, unter anderem auf den Infotagen, die Rummelsberg anbietet. Da habe ich das Leben hier kennen gelernt, eben auch den kirchlichen Aspekt in die soziale Arbeit einzubringen. Ich finde, das passt total gut.

Jakob: Ich habe mich relativ spontan für die Ausbildung zum Diakon entschieden. Viele in meiner Familie sind Lehrer und ich habe mir schon immer gedacht, dass ich gerne Menschen etwas beibringen würde. Seit ich konfirmiert wurde, bin ich in der EJ aktiv. Von daher resultiert auch die Entscheidung, mein FSJ in der Nachbargemeinde bei Diakonin Michaela Kleemann zu machen. Die Tätigkeit dort und die Erfahrungen - ich war quasi ihre rechte Hand - haben mich schon so ziemlich überzeugt. Infowochenende in Rummelsberg, Bewerbertag - tja, jetzt bin ich hier.

Dorothée Krätzer: Wie waren eure ersten Erfahrungen in Rummelsberg?

Jannika: Ich bin von Wittenberg weg, war einen Tag in Wörth. Am nächsten bin ich in Rummelsberg eingezogen und musste erst einmal ankommen. Es war wirklich viel auf einmal, doch das Ankommen mit dem Einführungsseminar war total schön gestaltet. Kennenlernen, Geschichte, so viele Begegnungen - wir wurden von allen sehr herzlich aufgenommen. Für mich ist es jetzt schon ein Stück Zuhause, trotz der wenigen Wochen.

Jakob: Für mich war der Sommer mit drei Freizeiten, die ich als Jugendleiter begleitet habe, ziemlich stressig. Eine Woche später ging’s nach Rummelsberg. Nach den ersten Wochen reicht es mir mal vorerst an Informationen. Jetzt freue ich mich auf die Schule, weil sich mein Leben wieder einpendelt und einen Rhythmus bekommt. Beim Ankommen im Einführungsseminar dachte ich, aha, ein interessanter Haufen - jetzt: ein super Haufen. Es macht so viel Spaß - mit allen. Das habe ich schon festgestellt: Alle die in der EJ waren oder mit der Kirche zu tun hatten, haben alle so einen leichten Knacks, positiv gesehen. Das finde ich sehr angenehm, denn den haben wir alle und das freut mich sehr.

Dorothée Krätzer: Wie meinst du das?

Jakob: Naja, wenn man Leute aus der EJ trifft und Leute aus der Schule - ich will nicht sagen dass die aus der EJ anders oder alternativ denken, aber es ist auf jeden Fall ein anderer Schlag Mensch, habe ich das Gefühl.

Jannika: Ja, es ist ein anderer Umgang, offener, auch manchmal verrückt, ein total liebevolles Beieinander-Sein - einfach herzlich.

Jakob: Genau das meine ich, man kann sein, wie man ist und wird genau so akzeptiert.

Dorothée Krätzer: Welche Vorstellungen habt ihr von eurem zukünftigen Beruf?

Jannika: Meine Vorstellung war: Ich habe einen sozialen Beruf und kann von meinem Glauben her mit anderen Menschen arbeiten und ihnen helfen, Schulabschluss mit Doppelbachelor in sozialer Arbeit und Diakonik. Ich denke, dass mir damals schon die Vielfalt des Berufes wichtig war, dass ich mich nicht sofort auf eine Richtung festlegen muss - ob Jugend- oder Behindertenhilfe oder vielleicht eine ganz andere Richtung. Das Infowochenende hat dazu viele Fragen beantwortet, aber vieles ist noch offen. Beispielsweise kann ich mir das Leben mit der Gemeinschaft noch gar nicht richtig vorstellen.

Jakob: Ich komme ja aus der Jugendarbeit und von daher dachte ich, Diakon zu sein heißt Jugendarbeit zu machen. Beim Infowochenende haben wir gesammelt, was Diakone eigentlich so alles machen und da war ich erst einmal geplättet. Okay, interessant, dachte ich mir, aber das Wichtigste ist wahrscheinlich doch die Jugendarbeit. Jetzt komme ich hierher und es gibt alles. Das überrascht mich sehr. Zudem haben mir ältere Brüder erzählt, dass sie beispielsweise zuerst in der Jugend-, Gemeindearbeit begonnen haben und dann in einen anderen Bereich wechselten.

Dorothée Krätzer: Muss man für diesen Beruf sehr fromm sein?

Jannika: Das habe ich mich am Anfang auch gefragt, wenn man versucht, anderen die Gemeinschaften zu erklären. Manche denken sofort an Klöster und Orden. Was heißt „sehr fromm“? Es gib hier einen großen Freiraum, sich mit seinem Glauben zu beschäftigen und ihn weiter zu entwickeln. Natürlich gibt es Rahmen, wie eine traditionelle Andacht zu halten ist - trotzdem können wir unseren Glauben frei ausleben, wie wir das wollen. Ich denke, diese Freiheit ist enorm wichtig. Wir leben im Glauben zusammen und dabei gibt es, trotz großer Vielfalt, einen gemeinsamen Schnittpunkt. Die Ausbildung dauert sechs Jahre und bis dahin haben wir Zeit uns klar zu werden. Und auch, wie wir unseren Glauben beschreiben.

Jakob: Ich bin kein superfrommer Typ und das muss man auch nicht sein, um nach Rummelsberg zu kommen. Man muss vor allem offen sein, für alles was hier kommt - auch für Veränderungen. Nicht verschließen vor dem, was hier passiert, offen sein für andere und wie sie ihren Glauben leben.

Dorothée Krätzer: Als Diakon/Diakonin gehört ihr entweder der Brüderschaft oder der Diakoninnengemeinschaft an - wie seht ihr das?

Jannika: In der Ausbildung ist das vor allem das Zusammenleben, wie in einer WG. Das kenne ich, denn beim KonfiCamp haben die Freiwilligen ähnlich zusammen gelebt und gearbeitet. Total positiv überrascht haben mich die vielen demokratischen Gremien der Diakoninnengemeinschaft. In Gesprächen mit Diakoninnen, die hier schon länger unterwegs sind, und der Ältesten, Diakonin Elisabeth Peterhoff, haben wir viel über ihre Geschichte erfahren, auch, dass sie für eine Gleichstellung gekämpft haben. Ich habe das Gefühl, dass man sich alles Frauenrechtliche - im Verhältnis zur Brüderschaft - erst erkämpfen musste, spürt man noch heute in den demokratischen Gremien. Ansonsten erlebe ich eine Supergemeinschaft. Ich denke, man hat immer Leute um sich, die für einen da sind.

Jakob: Ich bin das erste Mal ausgezogen von Daheim, überhaupt weg von der Familie. Meine Vorstellung lief auch in Richtung WG - dass wir als Grundseminar halt zusammen leben. Dann mussten wir Zimmerschlüssel (für das Brüderhaus) ziehen und haben uns auf alle Stockwerke verteil, zusammen auch mit älteren Ausbildungsbrüdern. Das hat mich überrascht. Ich finde, es ist eine Ehre, denn ich wachse jetzt in eine Tradition hinein, die es seit mehr als 100 Jahren gibt. Das ist unglaublich. Auch der Zusammenhalt ist jetzt schon unglaublich stark und ich kann mir gut vorstellen, dass die Brüderschaft so etwas wie eine Familie für mich sein kann. Alle sind meine Brüder. Irgendwie absurd, dass ich jetzt 1000 Brüder habe, teils auf der Welt verstreut. Ich freue mich darauf, immer jemanden da zu haben, auch später im Dienst - Brüder wie Diakoninnen.

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