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Die Rummelsberger
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09.10.2017

Ein Leben lang

Nach über 35 Jahren Dienst wird Diakon Herbert Lang, der bisherige Geschäftsführer der Rummelsberger Diakoninnen und Diakone, mit einem Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet.
Von: Diakonin Arnica Mühlendyck

Herbert Lang wird als Geschäftsführer von Herzen vermisst werden

Rummelsberg. „Wie spielt man Frieden?“ Dieser Frage, die sein ganzes Leben bestimmt hat, versucht Diakon Herbert Lang in seiner Abschiedspredigt nachzugehen. Er spricht über gewaltfreie Konfliktlösungen und fragt, warum es überall in der Welt an Frieden fehle. Viele berühmte Friedensaktivisten, unter anderem Mahatma Gandhi, stellten ähnliche Fragen. Die biblische Bergpredigt zeige, so Lang, für viele eine alternative Handlungsrichtung auf. Gandhi bezeichnete die Bergpredigt, die im Matthäusevangelium steht, als „Dokument, das den Frieden bringen kann“. Herbert Lang ist überzeugt: Der Weg der Liebe, der Verständigung und der Versöhnung, wie er in der Bergpredigt vorgezeichnet wird, ist zukunftsweisend.

Sein Leben steht ganz im Zeichen von Frieden und Versöhnung. Der Rektor der Diakone und Diakoninnen, Dr. Günter Breitenbach, würdigte sein Lebenswerk in einer Ansprache im Gottesdienst. Den gelernten Textilingenieur aus Oberfranken ereilte die Berufung, als er seinen Zivildienst mit der Aktion Sühnezeichen–Friedensdienste e.V. in Israel und Palästina machte. Sein Wunsch war Zeit seines Lebens, dem „armen Jesus der Bergpredigt“ zu dienen. Als Diakon engagierte er sich für Menschenrechte. Seine beiden Kinder wurden während seiner Dienstzeit in Usa River, Tansania geboren. Seit neun Jahren war Lang Geschäftsführer der Diakoninnen und Diakone in Rummelsberg. Schon früh habe Lang die „globale Dimension“ verstanden, scherzte Breitenbach, schon in der Kirche seiner Taufe sei das Taufbecken in Form einer Weltkugel gestaltet gewesen. Für die Zukunft wünschte Breitenbach Lang, dass er sich den Seelenfrieden bewahren könne, den er auch im Dienst immer versprüht habe.

„Könnt ihr mir nicht einfach einen Obstkorb geben, und dann ist es gut?“, hatte Lang im Vorfeld den Kollegen vorgeschlagen – im Mittelpunkt stehen und gelobt werden, das liegt nicht in seiner Natur. „Es wird keine Grußworte geben. Es werden nur ein paar Leute ein paar Worte sagen“, schmunzelte Breitenbach und lud zum Empfang im Anschluss an den Gottesdienst ein.

Viele Leute sagten viele Worte – ausschließlich des Lobs. Diakon Heinz Karrer überbrachte Grüße in Form eines riesigen Lebkuchenherzes von allen Mitarbeitenden im Landeskirchenamt in München. Lang habe, so Karrer, durch sein Engagement die Rahmenbedingungen für die Ausübung der diakonischen Tätigkeit von vielen Diakonen wegweisend mitgestaltet. Auch aus Tansania erreichten Lang Grüße: seine Arbeit in Tansania würde nie vergessen werden, noch heute tauften viele Eltern ihre Kinder respektvoll „Herbert“, erzählte Dr. William Obaga, Mitarbeiter der Mission EineWelt.

Günter Popp vom Verband kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schlug vor, Lang könne sich in Zukunft gerne ehrenamtlich engagieren, dann wäre der Übergang in den Ruhestand nicht so hart. Diakon Matthias Grundmann und Diakonin Ursula Zenker, Vorsitzende des Rats der Diakone und Diakoninnen erinnerten sich musikalisch an die gemeinsame Zeit und Dorothee Schmidt aus dem Sprecherausschuss überreichte endlich den gewünschten Obstkorb. „Die Zeit mit Ihnen war wie Erdbeeren im Winter – ein Luxus!“

Auch Langs gärtnerische Fähigkeiten wurden auf die Probe gestellt: Diakon Johannes Gleißner, stellvertretend für die Kollegen aus der Hauptverwaltung, überreichte ihm ein Bananenbäumchen und von den Leitenden der Gemeinschaften, Diakonin Elisabeth Peterhoff und Diakon Martin Neukamm, wurde er mit neuem Werkzeug und einer Schürze ausgestattet. Sie dankten ihm für seine Art und die Zusammenarbeit. Die Brüderschaft und die Diakoninnengemeinschaft sei enger zusammengewachsen unter seiner Leitung.

Vom Brüderschaftsrat bekam Lang abschließend symbolisch das „achte Werk der Barmherzigkeit“ überreicht. Die sieben eigentlichen Werke der Barmherzigkeit sind im Altarbild der Rummelsberger Philippuskirche abgebildet und zeigen diakonische Tätigkeiten auf. Lang erhielt nun das achte Werk „Hilfe verwalten“ im Stil des Altarbildes. „Ohne die Verwaltung wäre die diakonische Arbeit nicht möglich“, schloss sich Diakon Oliver Skerlec den Vorrednern an.

Lang selbst war wehmütig. „Abschiednehmen ist kein Spaß. Die ganze Zeit denkt man sich: Bin ich dieser Anerkennung überhaupt würdig?“ Hierin waren sich alle Redner und Anwesenden sicher: Ja, das ist er. Sein Leben lang.