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30.03.2017

Gemacht, um zu leuchten

Bei einem Studientag diskutierten Diakone und Diakoninnen über ihren verbindenden Auftrag im Arbeitsbereich Diakonie
Von: Arnica Mühlendyck

In Gruppen tauschen sich die Diakoninnen und Diakone aus. Foto: Arnica Mühlendyck

Rummelsberg - Der Studientag der Diakoninnen und Diakone im März stand unter dem Motto „Klarer Auftrag – Starker Beitrag“. Wie Brüdersenior Martin Neukamm in der Begrüßung erläuterte, war dieser Studientag ein Teil des Prozesses zur Schärfung des Berufsbildes, der 2016 mit einem ersten Studientag begonnen hatte. Der Schwerpunkt beim ersten Studientag lag auf jenen Diakoninnen und Diakonen, die im landeskirchlichen Bereich, beispielsweise in Gemeinden, Dekanaten und Jugendwerken, beschäftigt sind. Der zweite Teil befasst sich mit Diakonen aus dem Bereich der Jugendhilfe, Altenhilfe und Behindertenhilfe, aber auch mit Diakonen, die im Bereich der Krankenpflege und in anderen Arbeitsfeldern arbeiten, beispielsweise in der Verwaltung.

Als Referentin kam Katharina Seiler zu Wort, Diakonin der Brüder- und Schwesternschaft des Rauen Hauses und Mitarbeiterin in der Stiftung Alsterdorf in Hamburg. Die Diakonin, die eine Stabstelle für diakonische Profilierung bekleidet, warf die Frage nach der Berufung in den Raum: „Wer hat mich berufen? Was stärkt mich für meinen Dienst?“, wollte sie von den Anwesenden wissen. Ihr kurzweiliges Referat war auf der einen Seite ein Votum für einen Wandel der Personalpolitik diakonischer Unternehmen. Wo bisher nur als absolute Ausnahme Menschen eingestellt werden, die keiner Kirche angehören, sieht sie die Notwendigkeit, diese Regel aufzuweichen.

Diakonisch sei ein Unternehmen nicht, weil alle Mitarbeitenden eine Taufurkunde hätten, sondern weil die leitenden Angestellten christliche Leitwerte vorlebten. Die Diakone spielen, so Seiler im zweiten Teil ihres Vortrags, mit ihrer theologischen, fachlichen und ökonomischen Kompetenz eine wichtige Rolle in jedem diakonischen Unternehmen. Sie zitierte Nelson Mandela: „Jeder Mensch ist dazu gemacht, zu leuchten!“ Diakone hielten mit ihren Fähigkeiten viel zu häufig hinter dem Berg, seien viel zu selten in Vorständen von diakonischen Unternehmen. „Steht doch zu euren vielen Fähigkeiten!“ rief sie die Anwesenden auf.

Harald Frei, seit 2009 Geschäftsführer der Rummelsberger Dienste für Menschen gGmbH und Mitglied im Vorstand, griff in seinem Vortrag ebenfalls beide Aspekte auf. Er stellte dar, wie viele Menschen welcher Religionszugehörigkeit bei der Rummelsberger Diakonie arbeiten und beleuchtete hier zwei Seiten: Auf der einen Seite findet er es unerlässlich, die sogenannte ACK-Klausel aufzuweichen. Sie besagt, dass nur Mitarbeitende, die einer Kirche der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen angehören, eingestellt werden können. Christliche Einstellung habe, so Frei, nicht zwangsweise etwas mit der Kirchenzugehörigkeit zu tun. Auf der anderen Seite sei die Diakonie Wesensart der evangelisch-lutherischen Kirche, und „wenn man bei Puma arbeitet, dann kommt man auch nicht in Sportschuhen mit drei Streifen zur Arbeit“.

Frei zeigte auf, was die Rummelsberger Diakonie tue, um den diakonischen Geist in ihren Einrichtungen zu bewahren und zählte verschiedene Maßnahmen auf, die vom Umsetzen einer kommunikativen Kultur bis hin zur Schaffung von spirituellen Räumen reichten. Die Mitglieder der Gemeinschaften spielten hier aus seiner Sicht eine wertvolle Rolle, indem sie „ihre Kenntnisse und Fähigkeiten mit gesundem Optimismus und Gottvertrauen“ kombinierten.

Vorstandsvorsitzender und Rektor Dr. Günter Breitenbach fasste die Erkenntnisse des Vormittags kurz zusammen, bevor am Nachmittag in Workshops weitergearbeitet wurde. Aus seiner Sicht leisteten die Diakone in den Einrichtungen einen wichtigen Beitrag. „Aber es sind nicht nur die Diakone, die für die Umsetzung von christlichen Werten im Unternehmen sorgen!“, betonte er zum Abschluss.

In vier Kleingruppen kamen die Teilnehmenden am Nachmittag miteinander ins Gespräch. Der konkrete diakonische Auftrag, Chancen und Risiken der Umsetzung sowie die Notwendigkeit für Änderungen wurden in den Untergruppen „Jugendhilfe“, „Behindertenhilfe“, „Pflege“ und „weitere Arbeitsfelder“ diskutiert. Im anschließenden Plenum wurden die Ergebnisse vorgestellt – viele Beiträge deckten sich mit dem am Vormittag Gehörten. Die Sprachfähigkeit in spirituellen Belangen, das Bekleiden eines Amtes, die Anwaltschaft für Mitarbeitende und Klienten sowie die Pflicht, Brücken zu bauen zwischen Kirche und Diakonie, waren in allen Kleingruppen Teil des Konsens.

Mit einer stärkenden Abendmahlsfeier in der Philippuskirche endete der inhaltliche Teil des Studientags.

Abschließend wurden die neun fachlichen Ansprechpartner aus den Bereichen Pflege, Behindertenhilfe und Jugendhilfe gewählt, die zukünftig als Schnittstelle zwischen dem Rat der Diakone und Diakoninnen und den Diakoninnen und Diakonen im Dienst in der Diakonie zur Verfügung stehen. Für den Bereich der Jugendhilfe sind das Thomas Heinicke, Greta Hörmann und Jochen Mündlein. Die Pflege wird künftig von Gregor Breuninger, Annette Lederer-Heer und Hans Müller vertreten. Und Christopher Bornowski, Christian Gampel und Aaron Mühlendyck sind die Vertreter der Behindertenhilfe.

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