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09.05.2018

Kunst oder altes Zeug?

Diakon Claus Hetterich hat für die Hauptverwaltung zwei Skulpturen zum Thema „Sieben Werke der Barmherzigkeit“ gestaltet
Von: Arnica Mühlendyck

Diakon Claus Hetterich und Diakonin Elisabeth Peterhoff sind sich einig: Die beiden Skulpturen sind am richtigen Ort. (Foto: Mühlendyck)

Eine Skulptur ist eher männlich, eine eher weiblich… Aber Diakon Claus Hetterich verrät nicht, welche was ist. (Foto: Mühlendyck)

Rummelsberg – „Wissen Sie, ich kann schon mit dem PC arbeiten. Ich will aber nicht. Die Zeit möchte ich nicht investieren, die brauche ich zum Leben“, erklärt Diakon Claus Hetterich, warum er, anders als die meisten seiner Zeitgenossen, statt mit dem Computer tätig zu sein, lieber Kunstwerke gestaltet. „Ich arbeite wirklich gerne mit Materialien, die andere weggeworfen haben, am liebsten mit Holz und Metall.“

Das wird deutlich, wenn man die beiden Skulpturen betrachtet, die Hetterich im Auftrag von Rektor Dr. Günter Breitenbach, Vorstandsvorsitzender der Rummelsberger Diakonie, gestaltet hat. „Die Vorgaben für die Kunstwerke waren, dass sie mit dem Thema Diakonie zu tun haben sollten und sowohl männliche als auch weibliche Elemente haben sollten. Auch der Standort in der Hauptverwaltung in Rummelsberg war schon vorgegeben. Vorgaben sind für einen Künstler erst mal schlecht. Da habe ich ziemlich lange drüber gebrütet“, erinnert sich Hetterich an den Start des Kunstprojekts.

Der 64-Jährige war bis September als Jugenddiakon in den Dekanaten Selb und Wunsiedel tätig. Auch dort hat er nicht mit dem PC gearbeitet. „Ich habe oft Kunst in der Jugendarbeit eingesetzt. Jugendliche können sich sehr gut ausdrücken mit künstlerischen Methoden, da müssen sie nicht reden, das gefällt ihnen“, erzählt er von seiner Arbeit. Er selbst interessiert sich schon sein Leben lang für Kunst, findet sie ausdruckskräftiger als manche Predigt. „Ich brauche immer lange für jeden Weg, weil ich so viel rumschaue. Ich sehe überall witzige Sachen. Kunst muss man einfach gucken. Wenn ich male, kommt eine Karikatur heraus, spiele ich Theater, wird es eine Komödie, baue ich eine Skulptur, wird es eine Puppe. Das ist wie ein genetischer Defekt bei mir“, lacht Hetterich über seine Vorliebe für Kunst.

Diakonin Elisabeth Peterhoff, Leiterin der Diakoninnengemeinschaft Rummelsberg, ist von Hetterichs künstlerischem Schaffen beeindruckt. „Als ich selber noch in Wunsiedel gearbeitet habe, da waren wir Kollegen. Da hat er mal das ganze Gemeindehaus für eine Veranstaltung in Packpapier gehüllt“, erinnert sie sich. Kunst gefällt ihr ohnehin gut: „Da kann man was von sich zeigen, das man sonst nicht ausdrücken kann“, findet sie.

Hetterich zeigt seine Arbeiten in der Regel nicht so gerne – sie stehen in seinem Garten oder im Dorf verteilt. „Mir liegt nicht so viel daran, meine Kunst zu zeigen, das ergibt sich einfach manchmal. Wenn ich ein Kunstwerk gestaltet habe, dann bin ich einen Schritt weiter als vorher. Da ist dann was passiert, das gefällt mir daran“, erklärt der Diakon.

Die beiden Skulpturen in der Hauptverwaltung sind aus alten Telefonmasten und Reifenbeschlägen entstanden. „Sie lagen lange im Prozess in der Scheune, ich habe häufig daran gebaut. Meine Frau hat dann zwischendurch reingeschaut und gemeint, das alte Zeug könne ich doch nicht nach Rummelsberg fahren“, lacht Hetterich. „Mit dem Ergebnis am Ende war sie dann aber doch zufrieden.“ Die Skulpturen versinnbildlichen die sieben Werke der Barmherzigkeit, vereinen sie in weiblicher und männlicher Diakonie. Die Reifenbeschläge am Fuß der Figuren sind löchrig. „So wie es auch mit der Diakonie nicht immer einfach ist“, erklärt der Künstler. Seine Kunst habe immer einen Schmunzeleffekt, freut er sich. „Wenn Kunst etwas hervorbringt, egal ob Freude, Ärger, Frust, Begeisterung – dann habe ich mein Ziel erreicht.“

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